Super 8×8

Film: Qual der Wahl (3 von 8)

Jürgen Lossau

Als Super-8-Filmer hast du die Qual der Wahl. Fünf Filmsorten warten auf dich. Zunächst mal musst du dich entscheiden: Willst du auf Negativ- oder Umkehrmaterial drehen? In Farbe oder Schwarzweiß? Wir beschreiben die Filmsorten und zeigen dir Beispiele.

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Der Standard: Negativfilm

Negativfilm hat einen großen Belichtungsspielraum von bis zu 13 Blendenstufen. Das Material kann feinste Nuancen, selbst in Schattenpartien, durchzeichnen. Die Farben sind nicht so kräftig wie beim Umkehrfilm. Das Negativ lässt sich in keinem Projektor wiedergeben, aber nach der Entwicklung elektronisch abtasten. Dann siehst du es auf dem Computer als Positiv. Während des Scannens oder in der Nachbearbeitung am Computer können noch erhebliche Farb- und Helligkeitskorrekturen durchgeführt werden.

Gemessen am fortgeschrittenen Lebensalter von Super 8 sind Negativfilme erst spät in die Kassette geraten. Zunächst gab es ab 1965 nur Farbumkehrfilme zur direkten Vorführung im Projektor – gleich nach der Entwicklung. 2002 brachte Kodak erstmals Negativsorten im Super-8-Format heraus. Inzwischen ist der Newcomer zum Standard geworden, über 70 Prozent aller Super-8-Filme sind Negativmaterialien. Unter der Bezeichnung Kodak Vision3 gibt es drei Sorten in der Super-8-Kassette: 50D, 200T und 500T.

Negativfilme haben den enormen Vorteil, dass sie Fehlbelichtungen bis zu zwei Blendenstufen in der Regel verzeihen. Die Belichtungsmessung muss also nicht immer hundertprozentig stimmen. Das ist bei Umkehrfilm anders.

Kodak Vision3 50D

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Kodak Vision3 50D

Dieser Negativfilm für Tageslichtaufnahmen (D = Daylight) ist extrem feinkörnig.

Er bringt hervorragende Farben, Details und Schärfe. Mit seiner Empfindlichkeit von ISO 50 kann er in allen Super-8-Kameras gelesen und benutzt werden. Ganz wichtig: Unbedingt das eingebaute Filter in jeder Kamera ausschwenken; es muss auf Kunstlicht (Symbol „Glühbirne“) stehen, dann wird dieser Tageslichtfilm richtig belichtet. Warum das so ist, verraten wir in Punkt 8. Für Situationen bei hellem Tageslicht gibt es kein besseres Material als den Vision3 50D.

Hier ein Beispiel für den Kodak Vision3 50D.

 

Kodak Vision3 200T

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Kodak Vision3 200T

Dieser feinkörnige Farb-Negativfilm ist für Kunstlicht bei ISO 200 sensibilisiert, arbeitet also ohne Filter bei einer Farbtemperatur von 3000-3400K. Nutzt du ihn bei Tageslicht, kannst du das Sonne-Symbol am Filterschieber der Kamera einschalten. Der Film hat dadurch eine geringere Empfindlichkeit von ISO 125. Wenn du den Filterschieber auf Kunstlicht (Glühbirne) lässt und trotzdem bei Tageslicht arbeitest, musst du nach der Abtastung eine Farbkorrektur des Materials vornehmen. Das ist jedoch unproblematisch und du gewinnst ein wenig an Empfindlichkeit, brauchst also etwas weniger Licht. Dieser Negativfilm ist bestens für Situationen bei bedecktem Himmel oder in beleuchteten Innenräumen geeignet.

Kodak formuliert die Qualität des Films so: „Wie andere Materialien in der Vision3 Familie bietet der 200T eine unerreichte Zeichnung in den Highlights, reduziertes Korn in Schattenpartien, Flexibilität in der elektronischen Nachbearbeitung und erwiesene Langlebigkeit im Archiv. Der Film arbeitet genauso hervorragend in beleuchteten Innenräumen wie bei Außenaufnahmen mit hohem Kontrastumfang.“

Hier ein Beispiel für den Kodak Vision3 200T.

 

Kodak Vision3 500T

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Kodak Vision3 500T

Dieser hochempfindliche und dementsprechend etwas grobkörnigere Farbnegativfilm schenkt dir gelungene Aufnahmen bei extrem wenig Licht. Das ist schon mal sensationell. Bei Kunstlicht erreicht das Material ISO 500 (3200-3400K, ohne Filter), bei Tageslicht mit dem in der Super-8-Kamera eingebauten Filter ISO 320. Es gibt allerdings zwei kleine Probleme…

Die meisten Super-8-Kameras spiegeln über ein Prisma einen geringen Teil des Lichts, das durchs Objektiv fällt, in den Sucher und den größeren Rest in den Strahlengang Richtung Bildfenster. Zuweilen sieht man deshalb bei dunkler Umgebung im Sucher sein Bild nur extrem schemenhaft. Das erschwert es nicht nur, den richtigen Bildausschnitt zu finden, sondern auch die Schärfe einzustellen.

Außerdem können nur wenige Super-8-Kameras die Empfindlichkeit des ISO-500-Materials korrekt lesen. Das ist egal, wenn es recht finster wird und die Blende der Kamera sowieso maximal geöffnet ist – also zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt bei Dunkelheit oder beim Filmen von Neonreklamen in der Nacht. Ist aber mehr Licht vorhanden, sollte die Kamera den Vision3 500T korrekt lesen können. Dazu mehr unter Punkt 07.

Hier ein Beispiel für den Kodak Vision3 500T.

 

Kodak Ektachrome 100D

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Der Klassiker: Farbumkehrfilm

Super 8 war früher ein Filmformat für den Umkehrfilm. Das funktioniert ganz ähnlich wie beim Dia. Film in die Kamera, belichten, entwickeln lassen und schon kommt, ohne ein Negativ, der projektionsfertige Farbfilm nach Hause. Den kann man dann schneiden, vertonen – oder so lassen wie er auf der Spule ist. Wenn du den typischen farbintensiven Look erzeugen willst, den man beim Schmalfilm so liebt, ist der Einsatz von Umkehrfilmen gerade auch beim Digitalisieren der richtige Weg.

Der Kodak Ektachrome 100D ist für Tageslicht (D = Daylight) bei ISO 100 sensibilisiert, mit brillanter und gesättigter Farbwiedergabe, guter Feinkörnigkeit und hohem Auflösungsvermögen. Bitte schalte den Filterschieber auf Kunstlicht (Symbol „Glühbirne“), um diesen Film richtig zu belichten. Dazu mehr unter Punkt 8.

Es mag extrem sonnige Situationen geben, in denen der mit ISO 100 recht lichtempfindliche Film den Belichtungsmesser der Kamera auf Werte über 16 oder 22 steigen lässt. Dann ist es ratsam, die bei Spitzenkameras vorhandene variable Sektorenblende kleiner zu stellen. Durch die kürzere Belichtungszeit senkt sich der Blendenwert, die Blende öffnet sich. Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung eines Graufilters, das die durchs Objektiv einfließende Lichtmenge halbiert oder viertelt.

Hier ein Beispiel für den Kodak Ektachrome 100D.

 

Kodak Tri-X

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Spezieller Look: Schwarzweiß

Schwarzweiß-Material fasziniert Filmfreunde seit langer Zeit. Die Vielfalt der Grautöne, das markige Korn und die Betonung auf Konturen oder Kontraste machen solch einen Film speziell.

Kodak Tri-X

Dieser Schwarzweiß-Umkehrfilm arbeitet bei Tageslicht mit ISO 200 (ohne Filter), bei Kunstlicht mit ISO 160 (3200K, ohne Filter). Damit ist er recht empfindlich. Tri-X hat eine weite Bandbreite an Grautönen und eine hohe Schärfe.

Hier ein Beispiel für den Kodak Tri-X.

 

Alle Filme kannst du hier kaufen: https://www.super8shop.de/produkt-kategorie/schmalfilm/filme-schmalfilm/

 

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Kameras, die alle Filme mögen

Wem es wichtig ist, auch den Vision3 500T in jeder Lichtsituation richtig zu belichten, der sollte sich eine Kamera zulegen, die automatisch ISO 400 oder 500 richtig lesen kann. Bei den günstigen Modellen sind das nicht viele Super-8-Modelle. Zum Beispiel:

 

Günstige Modelle

Bell & Howell 2144XL

Bell & Howell 2146XL

Ricoh 800Z

Yashica Electro-8 LD-6

Yashica Electro-8 LD-8

Yashica Super 600 Electro

Yashica Super 800 Electro

 

Spitzen-Modelle

Canon Auto Zoom 814 electronic

Canon Auto Zoom 814 XL electronic

Leicina Super

Leicina Super RT1

Nikon R8

Nikon R10

 

Ausnahmsweise empfehlen wir in diesem Zusammenhang auch mal Sound-Kameras, aber nur deshalb, weil manche hohe ISO-Werte lesen können. Tonfilme gibt es schon lange nicht mehr, in die Kameras kommt Stummfilm:

Beaulieu 1008XL, 1018 SX 8, 1028XL 60

Nizo 1048-6080 Sound

Canon 814XL-S und Canon 1014XL-S

 

System-Kameras haben den großen Vorteil, dass man den ISO-Wert des Films frei an einem Drehrad wählen kann. Da ist man für jetzt und für die Zukunft gewappnet: 

Beaulieu 2008 – 9008

Leicina Special

Leicina Special

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Die Sache mit dem Filterschalter

Wer Tageslichtfilme nutzt, zu erkennen am D (D = Daylight) hinter der Zahl in der Typenbezeichnung, muss darauf achten, das Konversionsfilter aus dem Strahlengang der Kamera zu entfernen. Der Schalter mit den Symbolen Birne/Sonne muss auf Birne (Kunstlicht) stehen. Das klingt widersinnig, hat aber damit zu tun, dass früher nur Umkehr-Kunstlichtfilme üblich waren. Um die bei Tageslicht zu nutzen, musste das orangefarbene Konversionsfilter eingeschaltet werden. Heute ist das nicht mehr nötig. Viele Kameras haben jedoch eine Erkennung eingebaut, die aufgrund einer Kerbe an der Tageslicht-Kassette das Filter automatisch ausschwenken – egal, wie der Schalter steht.

Filterschalter auf Glühlampe - wenn mit Tageslichtfilm gedreht wird! (3 Bilder)

Im nächsten Teil des Workshops Super 8×8 geht es um Entwicklung und Digitalisierung (Scannen) deiner Filme.



Kommentare
  • “Das Negativ lässt sich in keinem Projektor wiedergeben, aber nach der Entwicklung elektronisch abtasten.” Wieso kann ich den negativ-film nicht im projektor wiedergeben? seine beschaffenheit ist doch die gleiche wie beim positivfilm? meine absicht: ich will positiv- und negativmaterial zusammenschneiden.

    schöne grüße aus stuttgart
    jim

  • Die Beschaffenheit der Oberfläche von Negativfilm ist nicht für die Projektion geeignet. Nach wenigen Durchgängen im Projektor ist die empfindliche Oberfläche stark durch Laufstreifen angegriffen. Der Film ist dann auch nicht mehr zur Abtastung geeignet, weil er viele Mängel enthält. Zudem erschwert das orangefarben eingefärbte Negativ das Erkennen der Motive auf der Leinwand.

  • Hinzu kommt, dass die Stärke des Negativfilmmaterials unterschiedlich zur Stärke des Ektachrome Umkehrfilms ist. Das führt beim Zusammenschneiden zu Schärfesprüngen in der Projektion.

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