Von Nikönnern und Nichtsnutzen

8mm-Prototypen in Tokyo

Jürgen Lossau, 28. Februar 2020

Sie werden nie das können, wofür sie gebaut wurden. Und sie nutzen uns nix, weil sie nie zu haben sein werden. Diese Prototypen liegen einfach nur rum – hinter Glas – und erinnern an andere Zeiten. Und trotzdem wollen wir natürlich alles über sie wissen. Über Modelle des 8mm-Zeitalters, die nicht gefertigt wurden. Warum das in diesem Fall so war, erzählen wir am Beispiel Nikon.

Merken Sie sich erstmal die Adresse: 〒108-6290 Tokyo, Minato City, Konan, 2 Chome−15−3 品川インターシティC棟 2F. Hier, im Nikon Museum, finden Sie nämlich drei Schmalfilmkameras, die Sie noch nie gesehen haben. Fangen wir mit der Jüngsten an. Es ist der Prototyp einer schlanken Sound-Filmkamera für Super-8-Tonfilmkassetten und stammt von 1977. Vom Design her ähnelt das Modell einer Fujica ZXM 300, nur dass diese lediglich Single-8-Soundkassetten gefressen hat.

Im Modell ohne Namen steckt ein Cine-Nikkor 8,5-25mm Objektiv mit 3-fach Zoom. Zur Lichtstärke gibt es leider keinen Hinweis. Diese Nikon sei die kleinste und leichteste 8mm-Tonfilmkamera der Welt in dieser Zeit gewesen, texten die Museumsmenschen. Angesichts der minimäßigen Minolta XL-440 Sound, die ebenfalls 1977 erschien und tatsächlich in die Fotoläden kam, ist das nur bedingt glaubhaft.

Neben der Kamera liegt im Glaskasten der Prototyp eines kabellosen Funkmikros zum Aufstecken. Hier gibt’s sogar einen kompletten Namen. Hi U-C M1C EM-11 steht auf dem Plastikkistchen, das ein ausziehbares Mikrofon beherbergt. Auch einen Tonfilmprojektor hatte Nikon wohl geplant, verrät das Schild in der Vitrine. Der sei aber aufgrund des anbrechenden Video-Zeitalters nicht mehr gebaut worden.

Nikon 8mm-Prototypen

Ein weiterer Prototyp stammt von 1960. Es ist ein schlimmer Klumpen, der das Gehäuse der kompakten Nikkorex-8 beinhaltet, aber insgesamt viel volumiger geraten ist. Die Doppel-8-Kamera soll wohl als Nachfolgerin von Nikons erster Schmalfilmkamera gedacht gewesen sein. Statt einer Festbrennweite, wie bei der Nikkorex, ist jetzt ein Zoom-Objektiv 8,5-25mm verbaut. Automatische Belichtungsmessung und ein Reflexsucher durchs Objektiv sind ebenso vorhanden. Ob die abenteuerliche Konstruktion wirklich kurz vor Serienreife stand, bleibt mal dahingestellt.

Daneben liegt noch ein Prototyp, diesmal von 1956. Es ist eine Doppel-8-Kamera mit integriertem Belichtungsmesser und 3-fach Objektivrevolver. Das Nikon Museum spricht von einem „ambitionierten Design“. Gemeint ist damit vermutlich die in der Vitrine gezeigte Wendekassette aus Metall. Sie enthält die Doppel-8-Spulen, die nach 7,5 Metern Filmdurchlauf gedreht werden müssen, um die zweite Hälfte des beidseitig perforierten Materials zu belichten.

Nikon 8mm-Prototypen

Was sagt uns dieser kurze Blick in die Vitrine? Zum Beispiel, dass 1960 und 1977 stets die gleiche Brennweite für den Zoom verwendet wurde. Es sei denn, ein Schildchen irrt sich. Wir werden es wohl nie erfahren, was diese Nikönner wirklich alles konnten…

 

 



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