Quicklebendig flackernd!
Das waren die Dresdner Schmalfilmtage 2026
In Dresden fanden die 27. Schmalfilmtage statt. Wieder gab es von Donnerstag bis Sonntag zahlreiche Veranstaltungen rund um Super 8 und 16 mm. Viele Details im Programm haben sich gegenüber den Vorjahren wesentlich verbessert: Die Auswahl der Filme beim internationalen Wettbewerb zeigte mehr Dokumentarisches, mehr erzählte Geschichten und weniger Experimentelles. Der Mix stimmte. Und die Moderationen der Veranstaltungen waren auch deutlich professioneller als in den Vorjahren. Alles bestens, wenn da nicht der “Schmalspurfilm” wäre…

Doch der Reihe nach. Am Donnerstag stand der Found Footage Wettbewerb im Mittelpunkt, zu dem auch das Super 8 Magazin einen Preis beisteuerte. Der Jurypreis über 500 € ging an die Argentinierin Delfina Carlota Vazquez für ihr 16-mm-Werk WATER DISSOLVES ITS IMAGE, THE LANDSCAPE DISAPPEARS. Den Publikumspreis über 300 € für Recherchearbeit und auch die lobende Erwähnung der Jury holte sich Céline Berger aus Deutschland für das 16-mm-Projekt OVERWORK.
Am Freitag zeigte Edmund Ward von der britischen Firma on8mil eine neu entwickelte, wieder beladbare Super 8 Kassette aus Metall. Doch, wie das immer so ist, stecken die Probleme stets im Detail. An den Rändern des Filmmaterials ist noch Lichteinfall sichtbar. Edmund ist guten Mutes, die Kassette in den nächsten Monaten produktionsreif zu bekommen. Er will dann Super 8 Film zum Selbstbefüllen im Abo inklusive Metall-Kassette anbieten. Erste Gespräche mit Rohfilmlieferant Kodak seien zu diesem Thema schon erfolgversprechend verlaufen. Das sieht man auch daran, dass Kodak-Mitarbeiter Holger Schwärzel bei dieser Präsentation anwesend war. Für den Rest Europas scheint das Abo-Modell weniger interessant, weil es da den Brexit gibt…
- Edmund Ward von on8mil aus Großbritannien mit der neu entwickelten ladbaren Super 8 Kassette.
- Die re8mil Kassette als goldener Entwurf.
- “Beta-Tester” Friedemann Wachsmuth am Werk.
Ebenfalls am Freitag inszenierte Martin Ježek aus Tschechien auf einigen Super 8 Projektoren mit live gebrannten Löchern in den Filmstreifen, diversen Filmgeschwindigkeiten und ohne Umlaufblende durchlaufendem Material eine Installation, die von Martin Klapper (ebenfalls Tschechien) live mit einem Soundteppich versehen wurde. Noch abstrakter war es am Samstag, als Jan Kulka aus Prag sein Archeoskop vorstellte: Ein selbst gebauter Projektor, der die Grenzen von Wahrnehmung und Film vermischt, indem er unterschiedliche Formate und Bildfrequenzen gleichzeitig projiziert. Kulka arbeitet mit analogen und handgefertigten Techniken sowie mit ungewöhnlichen Materialien. »Patterns« ist ein audiovisueller Kampf zwischen Chaos sowie Ordnung und eine Zumutung für die nach Schärfe und Strukturen suchenden Augen. Das sehenswerte Resultat ist schwer zu beschreiben, jedoch ein bisschen lang und anstrengend. Sagen wir es so: ein nachwirkender Joint für die Augen.
- “Patterns”, gezaubert vom Archeoskop
- Jan Kulka aus Prag mit seinem selbst entworfenen Zauberprojektor. Foto: Friedemann Wachsmuth
- Archeoskop-Bedienfeld: Der Mix machts! Foto: Friedemann Wachsmuth
Zurück zum Freitag, an dessen Abend es den beliebten Livevertonungswettbewerb gab. Alte Lehr- und Dokufilme werden stummgeschaltet und von Musikern mit neuen Klangwelten belegt. Diesmal waren die Sounds weniger auf einzelne Bewegungen ausgerichtet, sondern mehr auf den allgemeinen Handlungsstrang. Besonders herausragend fand die Jury die virtuose Vertonung der Naturdoku “Die Wildkatze” durch Ekkehard Meister. Der Publikumspreis ging an Philipp Gottesleben mit seinem Cello, der dem Film “Arbeitskollektiv” neues Leben einhauchte.
Der internationale Wettbewerb für Super 8 und 16 mm zeigte am Samstagabend einen Querschnitt durch das aktuelle Schaffen aus aller Welt. Wie schon am Freitag war auch am Samstag die Motorenhalle ausverkauft und die Zuschauer konnten neben der Jury ihre eigene Enscheidung fällen. Der Jurypreis über 500 € gingt an die Französin Florencia Aliberti für ihren Super 8 Streifen M DE MERCURIO. Den Publikumspreis ergatterte – mit viel lokaler Unterstützung – Britta Sommermeyer für den Fotofilm ERIKA WAR KEINE SCHREIBMASCHINE, gedreht auf Super 8.
- Warten auf die Jury: Talk vor der Preisverlerleihung
- Die Moderatorinnen interviewn alle anwesenden Filmermacher/innen.
- Ein bisschen frustrierend für die Befragten – nicht alle gewinen am Ende einen Preis…
Erwähnenswert ist wie immer die liebevolle Detailarbeit hinter den Kulissen, besonders was die Technik, das Catering und die Orga angeht. Verbessert und wieder fachkundiger sind die Moderationen. Aber wenn ein ansonsten spielfilmsicherer Moderator, der selbst mal mit seiner ELMO auf Super 8 gedreht hat, in seinem Redeschwall mehrfach von “Schmalspurfilm” spricht, dann fühlt man sich manchmal eben doch eher in einem Eisenbahnseminar.























